Alpinausbilder Winterkurs

Vom 12. bis 14. Jänner 2024 absolvierten 18 Ausbilder-Anwärter unter der professionellen Anleitung von vier Ausbildern den Alpinausbilder-Winterkurs des österreichischen Bergrettungsdienstes, Land Vorarlberg. Die Kursleiter Dr. Bernhard Frei und Ing. Daniel Tschol, B.Sc. zeigen sich am Ende des Kurses mit der enormen Lernkurve der Alpinausbilder-Anwärter sehr zufrieden.

Der Morgen begrüßt uns mit klirrender Kälte auf dem Parkplatz der Golmerbahn auf Latschau. Die Sonne versteckt sich im Osten hinter der Tschaggunser Mittagspitze und verschenkt ihre wärmenden Strahlen dem Bartholomäberg auf der anderen Talseite.

Wir treffen auf lieb gewonnene Menschen, eingepackt in dicke Mützen und verspiegelte Schneebrillen. Mit den neuen, einheitlichen Bergrettungs-Uniformen bilden wir einen weiten Kreis inmitten des emsigen Treibens auf dem Parkplatz.

Begrüßung und Einteilung sind schnell erledigt, die Gruppen eingeteilt und die Gratisfahrten der Golmerbahn verteilt. Hinauf geht’s mit der Bahn bis zuoberst zur Bergstation der Rätikonbahn. Die ortskundigen Kursleiter erklären die lokale Gelände- und Schneebeschaffenheit, die Sperrzonen und Abfahrtsmöglichkeiten und Sammelpunkte. Darauf aufbauend suchen sich die Gruppen selbst ihr optimales Übungsgelände und verteilen sich weitläufig bis an das Schweizertor und das Rellstal und genießen das wunderschöne Wetter und den perfekten Schnee für optimale Übungsbedingungen für die Anwendung der Tourenplanung, des Lawinenlageberichts, der Spuranlage, Stop-or-Go und Gefahrenzeichen, etc. Pünktlich um 16.00 Uhr finden sich alle Gruppen auf der Lindauer Hütte ein, beziehen ihre Lager und starten mit der Vorbereitung der Impulsvorträge für den Samstagabend. Das Bergsteigeressen wird mit vier riesigen Pfannen voll mit Kaiserschmarren abgerundet, das deutliche Preiselbeeren-Spuren bei manchem Bergretter hinterlässt. Abends führt uns Kursleiter Bernhard Frei in den gemeinsam mit Daniel Tschol 2015 entwickelten Lehrplan der Alpinausbilder Anwärter Kurse ein und erklärt die zugrundeliegende Didaktik anschaulich anhand konkreter Beispiele. Anschließend üben die Gruppen diese didaktische Methodik anhand spontan entwickelter Heimabend-Themen. Zum Abschluss diskutieren die Ausbildungsanwärter die Problematik der Öffentlichkeitsarbeit vor, während und nach Heimabenden anhand einer aktuellen, praktischen Fragestellung.

Früh Samstagmorgens treffen wir uns alle wieder beim Frühstück, bevor wir bei strahlendem Wetter aber klirrender Kälte ins Gelände verschieben und in schon routinierter Professionalität die Kleingruppenübungen vorbereiten. Keine zwei Stunden später starten wir schon mit den ersten drei Gruppen. Beim Mittagessen in der Hütte tauen die Anwärter langsam wieder auf und stürzen sich dermaßen gestärkt wieder ins Nachmittagsprogramm: Wie von selbst teilt sich die Mannschaft auf und beginnt Details zu diskutieren und Varianten zu optimieren, Vortragsart zu bestimmen und Ablauf zu trimmen. Einmal mehr zeigt sich, dass aus der bunten Gruppe vom vergangenen Frühsommer eine geschlossen und präzise funktionierende Maschinerie geworden ist: lauter Experten in ihrem Fach. Die fachlich-didaktische Umsetzung ist kurz und präzise, unterhaltsam und bis ins Detail ausgeleuchtet: Die zukünftigen Ausbilder zeigen Möglichkeiten und Grenzen der modernsten LVS-Geräte, üben die ungeheure Effizienz des Schaufelförderbandes, verstehen die störenden Einflüsse von Mobilgeräten, Heizwesten und Lawinenschaufeln bei der LVS-Suche und neue, hocheffiziente Sondier-Strategien.

Als Kursleiter könnte man nicht glücklicher sein: überall freundlich lächelnde Gesichter, konzentriertes Zusammenarbeiten und aufmerksames Zuhören. Auf der einen Seite höfliche Kritik, auf der anderen Seite ehrliche Dankbarkeit für die wertvollen Hinweise. Die Zeit vergeht wie im Fluge und schon müssen wir uns bei schnellem Eindunkeln in die Hütte zurückziehen, um die Impulsvorträge abschließend fein zu schleifen. Nach dem üppigen Abendessen kredenzt uns Ausbildner Christian Tschann ein Potpourri an online-Hilfsmittel und Apps und deren Anwendbarkeit zur Unterstützung der Tourenplanung. Unser Terminplan gerät völlig aus den Fugen, als die Anwärter ihre Impulsvorträge zu den vorbereiteten vier Themen präsentieren und die anschließenden Diskussionen nicht mehr aufhören wollen.

Am Sonntagmorgen zeigt sich das Wetter einmal mehr von der freundlichsten Seite. Die Ausbildner bereiten zusammen ein groß angelegtes Lawinen-Szenario vor, während die Anwärter mit Kursleiter Daniel Tschol das RECCO Gerät einzeln und nach detaillierter Einführung erproben. Parallel organisiert Kursleiter Bernhard Frei die Suche nach einem vergrabenen Rucksack von Gästen der Lindauer Hütte, den die Gäste leider nicht wieder finden. Selbstverständlich gelingt es den Anwärtern, den Rucksack mit eingeschaltetem LVS, leider mit leeren Batterien, punktgenau zu sondieren und rasch auszugraben.

Nach der Alarmierung des Übungs-Lawinenabgangs steigen immer vier Anwärter gemeinsam zum vorbereiteten Lawinen-Kegel auf und spielen das gesamte, umfangreiche Lawinen-Übungsszenario durch, organisieren den Nachschub, das Personal, die Mannschaft, die Lawinenrettung und den Abtransport.

Den Abschluss des Tages bildet ein Geschicklichkeits-Parcours, um den Teilnehmenden die Wichtigkeit der positiven Konnotation am Kursende spielerisch näher zu bringen. Kleine Sachspenden aus der Landesleitung belohnen die Parcours-Gewinner.

Die Kursleiter bedanken sich bei der Mannschaft und der Landesleitung für das langjährige Vertrauen in unsere Kursleitung. Wir haben die Chance genutzt und eine schlagkräftige, bestens ausgebildete und motivierte Ausbildner-Gruppe geformt, die sich freut, ihre Ausbildung und Erfahrung in die Ortsgruppen bringen zu dürfen. Wir könnten stolzer nicht sein!

Dr. Bernhard Frei & Ing. Daniel Tschol, B.Sc.
Kursleiter

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