Ausbildungsleiter Koordinierung

Am 08.06.2024 fand in Koblach die Koordinierung der Ausbildungsleiter der Bergrettung der Region Rheintal statt.

Für diese Fortbildung unserer Multiplikatoren konnte IVBV Bergführer Stephan Mitter aus Sistrans in Tirol gewonnen werden.
Stephan führte uns in seinem interessanten und lehrreichen zweistündigen Vortrag in das Thema von Dyneema und Co ein und fütterte uns mit viel Theorie und Hintergrundwissen, bevor es in den Klettergarten zur praktischen Anwendung ging.

Diese Schulung diente nicht dazu angewandte Systeme in der Bergrettung zu hinterfragen, oder gar auszutauschen, sondern vielmehr um das Wissen und die richtige Anwendung dieser neuen Seiltechnologie zu kennen und zu verstehen, um dann bei Kursen in der Ausbildner-Tätigkeit auch Fragen zum Thema beantworten zu können.

Der Kursinhalt erstreckte sich von allseits im Bergsport verwendeten modernen Seilklemmen, zu Dyneema-Bandschlingen, über Dyneema-Reepschnüre und Kevlar-Reepschnüre, bis zu hyperstatisch Leinen, sogenannten Raplines.

Auf diesem Kurs wurde unter anderem der Unterschied einer Dyneema-Reepschnur zu einer Rapline vorgestellt und erörtert. Die Rapline weist eine höhere Kantenreißfestigkeit auf und hat einen materialtechnisch anderen Aufbau und ist dadurch auch hitzebeständiger als die einfache Dyneema-Reepschnur bei gleichem Durchmesser.
Wärmeentwicklung an Seilmaterial ist beim Abseilen immer ein Thema, bei Dyneema kann das sogar zu einem Sicherheitsproblem führen, zum Beispiel wenn falsche Sicherungs- und Abseilgeräte verwendet werden oder wenn nicht zum Abseilen zertifizierte Leinen verwendet werden. Bei hohem Abseiltempo kann dies zum Anschmelzen der tragenden Elemente bei Dyneema kommen und stellt das verwendete Seilmaterial ordentlich unter Stress, das wiederum zu einer Sicherheitsproblematik führt.
Am frühen Vormittag wechselten wir von unserem Vortragssaal beim Gasthaus Dorfmitte in Koblach zu unserem Outdoor-Kursort im Klettergarten Koblach.
In der praktischen Anwendung im Klettergarten zeigte sich das bei den hyperstatischen Leinen aufgrund des geringen Seildurchmessers andere Abseilgeräte zum Einsatz kommen müssen als bei der konventionellen Seiltechnik. Hierzu gab uns Stephan die kompetente Information.
Im Klettergarten Koblach wurden die unterschiedlichen Anwendungen mit Raplines und Dyneema-Bandschlingen durchgeführt. Unter anderem wurde das Abseilen an einer 5mm Rapline oder die Verwendung des Escaper eines Experten-tools getestet und geübt.
Zugversuche mit den Raplines mit einem Dynamometer zur Kraftbestimmung der Bruchkraftermittlung mit Prusik, Tibloc und Microtraxion wurden ebenso durchgeführt und waren der finale Baustein des Kurses.

Das Fazit aus diesem Kurs: Raplines sollten nur von Experten verwendet werden, die in der Handhabung dieser Seile geschult sind und wissen welche Konsequenzen es hat mit diesen Seilen zu arbeiten.

  •  Einige Erkenntnisse zum Thema DYNEEMA aus Theorie und Praxis:
    • Der Schmelzpunkt von Dyneema liegt bei 140°C 
    • Ein Sackstich in einer Dyneema-Bandschlinge rollt bereits bei etwa 2 kN.
    • Raplines sind keine Jedermanns-Seile.

Beim Abschlussessen im Gasthaus Dorfmitte fand die Nachbesprechung und Feedbackrunde statt. Danke allen Teilnehmern, die diesen Kurs besuchten. Ebenfalls Dank an den Referenten Bergführer Stephan Mitter und das Team des Gasthaus Dorfmitte in Koblach, das uns bestens bewirtete.

Leider konnten bei dieser Veranstaltung nicht alle Ausbildungsleiter anwesend sein. Von den teilnehmenden Ortsstellen bekamen wir ein sehr gutes positives Feedback zu dieser Wissensvermittlung.

Harald Hugl
Kursleiter

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