Alpinausbilder Winterkurs

Vom 17. bis 19. Jänner 2020 absolvierten 2 Ausbildner-Anwärterinnen und 13 Ausbildner-Anwärter unter der professionellen Anleitung von sieben Ausbildnern den Alpinausbildner-Winterkurs des österreichischen Bergrettungsdienstes, Land Vorarlberg.
Die Kursleiter Dr. Bernhard Frei und Ing. Daniel Tschol zeigten sich am Ende des Kurses mit der enormen Lernkurve der Alpinausbildner-AnwärterInnen sehr zufrieden.

Temperaturen wie im März, statt tief verschneiter Talabfahrten nur kümmerliche hellbraune Schnee-Reste verzweifelter Schneekanonen. Denkbar schlechte Voraussetzungen für Powder-Gefühle und Schneegestöber. Noch im Dunkeln fuhr die Ausbildnergruppe auf blankem Eis und grauem Schotter von der Hütte und einem ausgiebigen Vorbereitungsabend früh morgens zurück ins Tal, um die pünktlich angereisten AnwärterInnen zu begrüßen. Die Ausbildnergruppe war heuer von besonderem Format: Ausbildner-Legende Leander Bitschnau, Landes- und Geschäftsstellenleiter Martin Burger und Flugretter-Held Wolfgang Rigo unterstützten mit Ihrem riesigen Erfahrungsschatz im Feinschliff der fünfzehn Rohdiamanten, die bibbernd in der Kälte warteten.

Die Wetterprognosen waren denkbar unsicher, Niederschlag war vorausgesagt. Im letzten Moment müssten wir noch das Programm umstellen und die Lawinenübung mit Hubschrauber vom Sonntag auf den Freitagnachmittag vorverlegen. Leander Bitschnau hatte uns Freikarten für die Golmerbahn organisiert, so war uns eine kurze Abfahrt auf der frisch aufgefrästen Piste gegönnt, bevor sich die Gruppen über den Grat Richtung Öfenpass auf den Weg machten. Strahlender Sonnenschein begleitete die Gruppen bei Orientierung, Spuranlage, Windzeichen und Schneekunde bis in den Mittag, wo schon eine dampfende Gulaschsuppe auf der Lindauerhütte wartete.

An Mittagsruhe war nicht zu denken. Schon meldete sich eine vertraute Stimme auf Kanal 1. Unser lieber Freund und Flugretter-Legende Artur Köb stellte uns mit Wucher 1, seinen Erfahrungsschatz und den Shuttledienst für eine realistische Lawinenübung zur Verfügung. In nur 58 Minuten waren fünf LVS Verschüttete und drei Wanderer ohne LVS Geräte gefunden, geborgen, erstversorgt und abtransportiert. Bei so viel Professionalität blieb nicht viel Substanz für die Nachbesprechung. Ein Hindernis-Parcours spornte die Teilnehmenden zu sportlichen Höchstleistungen an und bot eine didaktische Abwechslung zur Bestimmung der Tourenski-Kompetenz zukünftiger auszubildender Bergretter. 

Mit Käsknöpfle und Kaiserschmarren gemästet genossen wir den Vortrag von Martin Burger über die Landesorganisation der Bergrettung Vorarlberg und der Geschäftsstelle. Die Ausbildner-Anwärter erhielten wertvolle Tipps und Tricks, wie sie zukünftig notwendige Vorbereitungs-Unterstützung abseits der Ortsstelle erhalten können.

Bei gut 20cm Neuschnee starteten wir am Samstagmorgen in das Stationsprogramm. Wie von selbst teilte sich die Mannschaft auf, baute ihre Stationen auf und begann Details zu diskutieren und Varianten zu optimieren, Vortragsart zu bestimmen und Ablauf zu trimmen. Vor dem Mittagessen waren schon die ersten zwei Stationen mit LVS-Störquellen und LVS-Markierungen durchgearbeitet. Einmal mehr zeigte sich, dass aus der bunten Gruppe vom vergangenen Herbst eine geschlossen und präzise funktionierende Maschinerie geworden ist: lauter Experten in ihrem Fach. Die fachlich-didaktische Umsetzung war kurz und präzise, unterhaltsam und bis ins Detail ausgeleuchtet.

Nach einer kräftigen Linsensuppe und immer mehr Sonnenschein spulten wir gemeinsam die weiteren Stationen ab: zeigten die Weiterentwicklung der LVS-Geräte bei Tiefenverschüttungen, übten die ungeheure Effizienz des Schaufelförderbandes, erhirlten einen einführenden Einblick in die Welt der Schneekristalle bei Schneeprofil und Rutschblock und spielten einen kompletten Lawineneinsatz durch. Als Kursleiter konnte man nicht glücklicher sein: überall freundlich lächelnde Gesichter, konzentriertes Zusammenarbeiten und aufmerksames Zuhören. Auf der einen Seite höfliche Kritik, auf der anderen Seite ehrliche Dankbarkeit für die wertvollen Hinweise. Eine Bündelfunk-Übung mit Marschzahl und Kompassrichtung funktionierte dieses Mal reibungslos. Ein kleines Gedenk-Feuer und eine gemeinsame Schweigeminute für unseren lieben Freund Joachim Oeding, der uns als Ausbildner bei diesem Kurs unterstützen wollte, aber überraschend diesen Herbst verstorben ist, schweißte uns alle noch mehr zusammen.

Nach dem Abendessen folgten sieben höchst informative Präsentationen zu aktuellen Themen rund um die winterlichen Besonderheiten im Leben und Wirken eines Bergrettungs-Ausbildners.

Nach kurzem Frühstück stapelten sich schon die Taschen der Mannschaft im Skikeller, während die Gruppen selbst-organisiert am Sonntag-Vormittag die ersten Spuren in die frisch verschneite Landschaft zeichneten und das Programm mit der behelfsmäßigen Rettungstechnik abschlossen.

Die Kursleiter bedanken sich bei der Mannschaft und der Landesleitung für die einmalige Gelegenheit, einen Jahrgang durch zwei Bergrettungskurse begleiten zu dürfen. Wir haben die Chance genutzt und eine schlagkräftige, bestens ausgebildete und motivierte Ausbildner-Gruppe geformt, die sich freut, ihre Ausbildung und Erfahrung in die Ortsgruppen bringen zu dürfen. Wir könnten stolzer nicht sein!

Bericht. Dr. Bernhard Frei & Ing. Daniel Tschol, B.Sc.

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